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Heinrich Berger - Coswiger Schüler in Übersee - 6

Heinrich Berger  - Teil 6
Traditionen, wieder entdeckt und gepflegt

Was Henry Berger mit seinem Wirken auf Hawaii besonders auszeichnet, ist nicht nur sein unermüdliches Arbeiten mit der Band. Er soll während seiner Zeit 34 000 Konzerte gegeben haben. Was auf den ersten Blick unwarscheinlich erscheint, erklärt sich jedoch schon dadurch, daß die Royal Hawaiian Band tatsächlich täglich und an den verschiedensten Orten im näheren Umfeld von Honolulu ihre Konzerte gegeben hat.
Dieses tägliche Spielen der Musiker perfektionierte natürlich auch das konzertante Zusammenspiel, so daß im Laufe der Zeit bis heute ein brilliantes Orchester mit einem außergewöhnlich breitem Repertoire ein stets neu begeistertes Publikum unterhält.
Henry Berger arbeitete aber nicht nur an der Perfektion seiner Band. Sein größter Verdienst ist  darin zu sehen, daß er ständig bemüht war, die traditionelle Musik (den Mele = Gesang, Lied) zu entdecken, in Noten festzuhalten und so zu bewahren.
Er soll bei seinen Spaziergängen von den Einheimischen gesungene Lieder im Kopf sofort erfaßt und dann zu Papier gebracht haben. Das hatte in dieser Form noch kein Bandmaster = Kapellmeister der Band vor ihm getan.
Alte überlieferte Lieder, die noch auf keinem Notenblatt standen, wurden so als wertvolles Kulturgut der Nachwelt erhalten, so daß sie niemals in Vergessenheit geraten konnten. Eine großartige Leistung, die besonders von der einheimischen Bevölkerung hoch geachtet wurde und wird.

Henry Berger hatte ein ausgeprägtes sehr sensibles Gefühl dafür, die traditionelle Musik Hawaii's mit der zu seiner Zeit aktuellen europäischen Musik zu arrangieren. Dabei entstanden unglaublich schöne Melodien, die genau den Geschmack seines Publikums trafen.
Von außerordentlichem Vorteil für ihn war dann auch, daß die Königsfamilie selbst,
König Kalkaua, dessen Schwestern Lili'uokalani  und Likelike sowie der jüngere BruderLeleiohoku, begeisterte Dichter und Komponisten waren. Sie sollen untereinander sogar dabei gewetteifert haben, wer die schönste Melodien komponieren würde. Im Iolani-Palast gibt es einen Musiksaal, in dem auch Henry Berger oft dabei zugegen war und man könnte davon ausgehen, daß der Einfluß des deutsch-hawaiianischen Kapellmeisters spürbar wurde, ohne die Leistungen der königlichen Komponisten schmälern zu wollen.
Henry Berger brachte dann die jeweils neu geschaffenen musikalischen Werke bei nächster Gelegenheit mit der Royal Hawaiian Band zu Gehör.

Er war es auch, der mit der Band bei jedem Einlaufen eines Passagierdampfers in den Hafen von Honolulu am Kai die neuen Gäste auf Hawaii musikalisch begrüßte. Diese schöne Tradition wird auch noch heute regelmäßig von der Royal Hawaiian Band praktiziert.
Sicherlich ist allein nur diese freundliche Geste des Willkommens auch der Grund dafür, daß eines der schönsten Lieder von Hawaii von den zahlreichen Gästen mit hinaus in die Welt genommen wurde das Aloha(oe). Dieses Lied hat die letzte Königin von Hawaii, Lili'uokalani geschrieben und komponiert.
So romantisch, wie das Lied selbst, soll auch die Entstehungsgeschichte sein: Lili'uokalanie war im Frühling 1878 war mit einer ihrer Schwestern, Prinzessin Likelike, Mr. und Mrs.Wilson und Kalakauas Hofkämmerer Edwin Boyd umfassenden Gruppe von Boyd's Ranch in Maunawili über den "Pali" genannten Pass auf dem Rückweg nach Honolulu. Beim Verlassen der Ranch zügelte Boyd plötzlich sein Pferd, und ein hübsches hawaiisches Mädchen gab ihm einen Blumenkranz und einen Kuss. Die romantische Prinzessin wurde von der Poesie der Szene berührt und komponierte auf der Stelle, und, wie sie sich ausdrückte, in ihrem Kopf das Lied.

Wenn auch die Melodie ursprünglich aus dem kroatischem, französischem oder spanischen Raum stammen sollte, kann man wohl davon ausgehen, daß gerade dieses Liebeslied zum Symbol für Hawaii geworden ist.
1883 führte Henry Berger das ?Aloha?oe? erstmals auf dem amerikanischen Festland
in San Francisco mit der Royal Hawaiian Military Band und der Solistin Nani Alapai bei Wettspielen auf und errang damit einen ersten Preis.

Henry Berger heiratete Anfang der 90iger Jahre ein zweites mal. Mit der Neuseeländerin Rose Magaret Clark hatte Berger dann noch eine Tochter mit Namen Lehua. Einige Fotos aus dem Nachlass Bergers zeigen ihn mit seiner Familie und der Royal Hawaiian Band.
Für seine Tochter Lehua komponierte er das Lied ?Sweet Lehua?.  Dieses Lied gehört für den europäischen Geschmack mit zu schönsten von ihm geschaffenen Melodien, wie das ohnehin auch auf so viele seiner Kompositionen und Arrangements  zutrifft.
Seine Tochter Lehua heiratete später Donald Billam ? Walker, mit dem sie drei Kinder hatte ? zwei Söhne und eine Tochter: James, John und Helen, die auf Hawai?i und in New York leben.
Im Alter von 93 Jahren verstarb im Jahre 2000 Lehua Berger Billam ? Walker in Honolulu. Bergers schönster Titel wurde ihm jedoch zu seinem 70. Geburtstag zu teil, als ihn die designierte Königin von Hawai?i einem aus dem Edelholz Koa gefertigten Dirigentenstab überreicht und ihn als den "Vater der hawaiischen Musik" benannte.
Eine treffendere Bezeichnung hätte man für den Musiker aus Leidenschaft kaum finden können. Auch im Deutschen Kaiserreich hatte man den ehemaligen Militärmusiker nicht vergessen: im Jahre 1912 wurde ihm von Kaiser Wilhelm II. eine Goldmedaille für seine Verdienste verliehen.
Für die deutsche Öffentlichkeit ist jedoch Heinrich - Henry - Berger in Vergessenheit geraten und nur wenige Interessierte erinnern sich noch an ihn.
Das ist verständlich, denn Henry Bergers Werk wurde, und vor allem wird, auf Hawai?i gepflegt und lebendig gehalten. Heute, wie zu Bergers Zeit ist die Royal Hawaiian Band mit ihrem jetzigen Bandmaster Aaron Mahi mehr denn je täglich im Einsatz zu den verschiedensten Anlässen. Aaron Mahi, der schon seit 1981 die Band leitet, ist ein brillianter Musiker, der sein rund 40ig köpfiges Team ständig im Einsatz hat, sei es zu den wöchentlichen Auftritten im Park des historischen Iolani-Palastes oder dem städtischen Kapi'olani Park. Die Auftritte am Hafen sind nach wie vor genau so selbstverständlich, wie die Einsätze von nur kleineren Gruppen aus der Band in Altersheimen, Kindergärten, bei der Einweihung neuer Einrichtungen oder zu Konzerten in Kaufhäusern; überall und immer ist die Royal Hawaiian Band im Einsatz.
Eine unglaubliche und ausgesprochen schöne Leistung dieser in den Vereinigten Staaten einzigsten, städtisch angestellten Kapelle. Im April 2003 wurde der Kapellmeister der Royal Hawaiian Band für seine und die der Band außerordentlichen Leistungen für den Erhalt und die Pflege der hawaiianischen Kultur und insbesondere für die Pflege des Erbes vom "legendären Captain  Henry Berger" mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland geehrt.
Eine Leistung, die zum einen den Bandmaster Mahi ehrt und gleichzeitig auch an Henry Berger erinnert, der dafür den Grundstein mit seinem Wirken gelegt  hatte.

Mit Thema Heinrich Berger und der Royal Hawaiian Band befaßt sich auch ein Hörspiel, das im November 1998 vom WDR produziert und gesendet wurde. Der Autor ist Uwe Mengel, der auf Hawaii per Zufall auf die interessante Verbindung Deutschland Hawaii gestoßen war und nach umfangreicher Recherche ein hörenswertes Hörspiel geschrieben hat. In freier Bearbeitung der tatsächlichen Ereignisse gibt er ein unterhaltsames Lebensbild von Heinrich Berger wieder auch eine Art der besonderen Ehrung für den Coswiger Schüler Heinrich Berger.
Weiter gehören dazu auch mindestens zwei Fernsehproduktionen: vom WDR und ARTE  produzierten 

Dokumentationen. Sie haben die Royal Hawaiian Band mit ihrem einstigen Bandmaster Henry Berger zum Inhalt:  ?Ein Preuße auf Hawaii von Michaela Bruch und ?Aloha Hawai?i? von Uwe Mengel. In Honolulu gibt es seit 1995 ein Museum, in dem auch Persönlichkeiten der Geschichte Hawaii's in der ständigen Ausstellung einen Ehrenplatz erhalten haben: Hawaiian Music Hall of Fame and Museum?. Hier findet man David Kalakaua, Lili?uokalani, Miriam Likeklike ebenso, wie  Henry Berger. Komponisten, Kapellmeister und andere Künstler, die sich dem Erhalt und der Pflege der hawaiischen Kultur  verschrieben haben.
Daneben wird außerdem im Hawaii State Archiv in Honolulu umfangreiches Material zum Leben und Wirken von Henry Berger aufbewahrt. Henry Berger, der obwohl in seinen letzten zwei Jahren erblindet, arbeitet noch als Komponist und Arrangeur bis zu seinem Lebensende.
Er ist nach seinem Tode im Oktober 1929 im Alter von 85 Jahren  auf dem der Einheimischen Bevölkerung Honolulus vorbehaltenen Friedhof beigesetzt worden. Gemeinsam mit seiner Frau kommt ihm dabei die Ehre zu, als einzigster Nicht-Hawaiianer in memoriam weiter als Einheimischer anerkannt zu werden.

Alles neue und doch schon seit langem auf Hawaii in Verbindung mit Berger stehende noch zu erläutern, würde den zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen und so soll hier dazu nur auf die im Anhang aufgeführte Literatur verwiesen werden.
Es sind Berichte und Bücher, die neugierig machen auf eine ferne Welt und ausführlich diese Welt um Henry Berger beschreiben.

Heinrich Berger und Coswig ?

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, blieb Heinrich Berger in Deutschland, seinem Geburtsland, ein relativ Unbekannter. Erst  recht in Coswig.
Kaum jemand errinnert sich an einen Stadtmusikus. Und noch dazu Albert König? Keine Ahnung und allgemeines Achselzucken sind die Antwort auf die Fragen. Und doch war er mit seinen Gesellen bis etwa 1870 im Einsatz zu ebenfalls allen möglichen Anlässen.
Wenn dann dazu auch noch bei Werner, in der Geschichte Coswig von 1929 zu lesen ist, daß auch seine Kinder, die "Königskinder" noch in guter Erinnerung sind..."
gibt es zumindest einige Parallelen, die bei Heinrich Berger wiederzufinden sind. Da sind die verschiedensten Chöre, die z.T. "Abkömmlinge" des einstigen Adjuvantenvereins, bzw. der weltlichen Chöre.  Nach wie vor sind sie zum gemeinsamen Vergnügen und zur Freude anderer immer wieder in der Öffentlichkeit tätig.
Musikorchester, Kapellen oder Bands konnten sich jedoch hier in Coswig über größere Zeiträume, so wie sie für andere Regionen typisch sind, nicht halten.

Traditionen aus dem Volke selbst zu Achten, zu Bewahren und zu Pflegen und so am Leben zu erhalten, sollte für jedermann, nicht nur auf dem Gebiet der Musik, ein Grundsatz sein.

Natürlich kann man die hawaiischen Verhältnisse nicht auf Coswig und unsere Region beziehen, aber der Mensch Heinrich Berger, der hier in Coswig zur Schule ging, von einem Coswiger Stadtkapellmeister erzogen und an die Musik herangeführt wurde und, wenn auch auf abenteuerlichen Wegen, aus diesem soliden Grundwissen und seinem herausragenden Talent etwas großartiges gemacht hat, ist sehr wohl als ein hervorragendes Vorbild anzusehen.

Aloha
Man wird auf den Hawaii Inseln  mit einem freundlichen aloha begrüßt oder verabschiedet und man fühlt sich, so oder so, wohl dabei. Man sollte auch wissen, was es bedeutet.
Puna Dawson, eine hula-Lehrerin, sagt in einer Reportage von Paul Theroux:?...der Brückenschlag zwischen den Kulturen ist nicht einfach...,jeder sagt aloha, aber wer weiß, was es bedeutet? Jeder Buchstabe steht für einen Gedanken. Der erste ist akahi, Freundlichkeit. Der zweite lokahi, Offenheit. Der dritte ist olu?olu, Liebenswürdigkeit. Ha?aha?a ist der vierte, Bescheidenheit.  Ahonui, der letzte, bedeutet Geduld. Für sich allein bedeutet alo Raum  und ha Atem.
Wenn du aloha sagst, meinst du: Komm, teile meinen Raum, teile meinen Atem.?

K.Schmidt,  5.Januar 2004
e-mail: museum@coswig-online.de

Quellenverzeichnis

Stadtarchiv Coswig (Anhalt): Einwohnerverzeichnisse von 1849, 1852, 1855, 1858

Werner, Geschichte d.Stadt Coswig, 1929

Schweizer, N.R., Prof. Hawai'i und die deutschsprachigen Völker, Verl. P:Lang AG Bern, 1982

Schweizer, N.R. in "Markstein- Entdeckungsreisen durch Brandenburg-Preußen,
Henschel-Verlag 2001, S. 391
Schweizer / Schmidt, Gesprächsprotokolle

Uksche, Wolfgang, Kapellmeister Berger, Treuenbrietzener Nachrichten 11.Jg. 12.10.2001

Liedtke, Klaus, National Geographic Deutschland, 12/2002, Hawai?i und der
preußische Ton

Paul Theroux, Hawai?i, National Geographic Deutschland, 12/2002

Gesellsch.f. ökol.Technol. u. Systemanalyse: div. Übersetzungen u. Internet-Auszüge über H.Berger: Hawai?i, sowie Lehua Billam-Walker;
Walzer-König aus Hawai?i;
The Friends of the Royal Hawaiian Band;
Der Musikmeister Heinrich Berger- Hawai?i im Dreivierteltakt;
Stamps: 2.Juni 2002 - 130. Anniversary of Capt.H.Berger;
Hawaiian Music;
Henry Berger 1844-1929:
Royal Hawaiian Band play's on - von John Berger, 1999
From prussia with love: der blaue Geiger, April/Mai 2000;
Reisen nach O'ahu/Hawai?i
Ein Preuße auf Hawai?i, Dokument., 2002 im WDR, von Michaela Bruch
Musik Polynesiens, Arbeitsmaterial f.Schüler; Michaela Bruch
Lehua Berger Billam-Walker dies;
Aloa'oe;
Hawai'i Pono'i
Croatian Folk Songs
Aaron Mahi in interview with Hawai'i Publik TV;

Hawai'i History, Europa Gymnasium Dessau

Das ?Königlich-Hawaiianische Blasorchester, David W.Bandy in Clarino 2/95

Wernhart, Karl R., Der König von Hawai?i in Wien 1881, Böhlau Verlag Wien, 1987

Tom Appleton, Walzerkönig aus Hawai?i, Wiener Zeitung 11.12.1998

S.Hansen (Hrsg.) Mythen vom Anfang der Welt, Pattloch-Verlag, 1991

Mengel, U./Schmidt,K. Gesprächsprotokoll

Düring, K. Die neutrale Zone Samoa und Tonga 1855 ? 1900

Plötz, Hauptdaten der Weltgeschichte, Herder ? Verlag, Freiburg 2003

Baxter Reiseführer, Hawaii Praktisch & Preiswert,1997

© Karl Schmidt

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