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Heinrich Berger - Coswiger Schüler in Übersee - 3

Ansichtskarte von Hawaii

Heinrich Berger - Teil 3Musik könnte das Leben sein    Nachdem der ausbildenden Handwerksmeister verstorben war und dessen Witwe den Betrieb aufgeben mußte, stand für Heinrich Berger keine entsprechende Alternative zur Verfügung und die Zukunft sah vorerst nicht rosig aus.
Hier war nun wieder die Familie und das nähere Umfeld um Berger gefragt.

War es der Ehrgeiz Albert Königs den Jungen musikalisch weiter zu fördern oder einfach nur die Logik, die die Familie König und Freunde dazu veranlaßte, Heinrich Berger in eine musikalische Berufslaufbahn zu leiten.
Talent, Begabung und Freude am Musizieren hatte er ja schon vielfach in der Familie des Stadtmusikers, sicher auch in Zusammenspiel mit der kleinen Ortskapelle und beim Singen im Chor bewiesen. Warum also nicht.

In den Veröffentlichungen über Heinrich Bergers Leben ist jedoch auch von einem Aufenthalt in der kleinen preußischen Stadt Treuenbrietzen die Rede, wo er sich musikalisch weitergebildet hätte.
Da jedoch in Treuenbrietzen keine spezielle Musikschule bestand, bleibt als bisher als einzige mögliche  Erklärung eine musikalische Weiterbildung bei einem Kantor in Treuenbrietzen.

Anderen Quellen zu Folge sei Heinrich Berger mit 14 Jahren für drei Jahre zu einem Kapellmeister nach Breslau in die Lehre gegeben worden.
Das kann für die Jahre 1859 bis 1861 gelten, denn Heinrich Berger trat 18jährig in das preußische Militär ein, also 1862. Er wollte Militärmusiker werden.

Seinen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß er beim 2.Leibgarderegiment zu Fuß als Militärmusiker seinen Lebensweg fortsetzte.
Die Kaserne, die für Heinrich Berger in den folgenden mindestens 10 Jahren seine Heimstatt werden sollte, gibt es heute nicht mehr. Aber einen Bezugspunkt gibt es doch: heute steht an der Stelle in der Friedrichstraße der Kulturtempel von Berlin, der Friedrichstadt Palast.

Zu der Armee - Einheit, zu der Heinrich Berger dann gehörte, sei noch zu erwähnen, daß ein Garderegiment eine Form der Elitetruppen eines Heeres darstellt.
Einer seiner Lehrmeister war z.B. Wilhelm Wieprecht :
Friedrich Wilhelm Wieprecht war Königlich preußischer Kammermusicus und Akademischer Künstler, der erst 23jährig, im Jahre 1825 bereits ein königlich qualifizierter Musiker war und später der Direktor aller Gardemusikcorps wurde.
Er war aber auch ein Erfinder: er befaßte sich über längere Zeit mit der Weiterentwicklung von Blasinstrumenten und erfand    in dieser Zeit die Tuba, das Instrument, das auch für Heinrich Berger das Wahlinstrument wurde.
 
Berger hatte nun beim Militär und insbesondere mit seiner musikalischen Laufbahn seinen Weg gefunden. Daß dieser Weg jedoch auch unangenehm sein konnte, vermitteltete ihm sicher auch die Teilnahme seines Regimentes am Krieg gegen Dänemark im Jahre 1864.

In Kriegszeiten wurde im Felde oder gar an der Front weniger musiziert  hier waren die Musikcorps-Mitglieder  dann als Sanitäter im Einsatz.

In dieser Zeit lernte Heinrich Berger auch Johann Strauß, einen Sohn von Johann Strauß, dem Walzerkönig, persönlich kennen. Berger war ein großer Bewunderer der Strauß Dynastie und liebte deren Kompositionen. Der Radetzky-Marsch vom Strauß-Vater gehörte in jedem Fall zum Repertoire eines jeden Militärorchesters.

Als Johann Strauß (Sohn) 1865 in Berlin ein Benefiz-Konzert gab, benötigte er ein vergrößertes Orchester. 150 Violinen gehörten unter den anderen Instrumenten dazu und Heinrich Berger wurde hierfür ebenfalls ausgewählt. Er spielte den doppelten Baß. Bei diesem Konzert wurde die neue Komposition "Die Morgenblätter" von J.Strauß erstmalig in Berlin  präsentiert.
Das Programm umfaßte 14 Titel, wobei "Die Morgenblätter" als 3.Titel gespielt wurde. Dieser Beitrag hatte jedoch so einen großen Erfolg, daß 10 Zugaben gespielt werden mußten und für die verbleibenden 11 Titel des ursprünglichen Programms keine Zeit mehr übrig war.

Hervorzuheben sei an dieser Stelle auch, daß die Kapelle des 2.Garderegiments zu Fuß bei einem Musikkapellen-Wettbewerb 1867 sogar in Paris teilnahm. Die deutsche Militärkapelle gewann den 1.Preis.
Auch Johann Strauß Sohn, war hier anwesend. Während der Veranstaltungstage wählte er Heinrich Berger unter anderen mit dafür aus, bei seiner ersten Präsentation der neuesten Komposition, der "Schönen blauen Donau", mitzuwirken.
Wie erfolgreich diese Melodie geworden ist, erlebt man noch heute immer wieder.

In Erinnerung an seinen ersten Besuch mit der Kapelle des Regiments in Paris 1867, komponierte Heinrich Berger seine erste, am 19.August 1868 bekanntgewordene Komposition, eine Quadrille mit dem Titel "Souvenir aus Paris".
Eine Quadrille ist ein Gesellschaftstanz, der sich Anfang des 19.Jh. in Frankreich großer Beliebtheit erfreute. Ihren Ursprung hat die Quadrille im englischen Country dance. Sie wird von vier Paaren getanzt, die im Carree oder im Kreuz stehen.

Bekannt ist durch die Aufzeichnungen Bergers, daß er dann ab Ende1867 für drei Jahre ein Musikkonservatorium besuchte. Genannt werden dabei sowohl Berlin, als auch Breslau. Das Studium wurde durch das jeweilige Regiment mit dem Ziel veranlaßt, weitere Kapellmeister heranzubilden.
Heinrich Berger absolvierte dieses Studium so erfolgreich, daß er zum stellvertretenden Kapellmeister des 2.Garderegiments zu Fuß berufen wurde.

In diesen Jahren verschärften sich nun auch die politischen Spannungen zwischen Deutschland / Preußen und Frankreich.
Im Deutschen Reich, das ja 1867/71 entstand und so bis 1945 funktionierte, erlebt man das so genannte Zeitalter Bismarcks, dessen Einfluß von 1867 bis 1890 das Schicksal der Nation lenkte.
Im Jahre 1870 kommt es in sehr kurzer Zeit, innerhalb von 13 Tagen, im Juli zur Kriegserklärung Frankreichs an Preußen: Bismarck förderte die Kandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen am 6.Juli; Napoleon III. von Frankreich will dieser Kandidatur nicht zustimmen und wendet sich damit an König Wilhelm, der seinerseits die Forderung der Franzosen zurückweist. Bismarck gibt in der so genannten "Emser Depesche" diese Mitteilung Wilhelms in verschärfter Form bekannt.
Daraufhin erklärt Frankreich am 19.Juli 1870  Preußen den Krieg.
Unter Graf Moltke, dem Chef des Generalstabes, ergreifen 3 Armeen die Offensive und bereits am 2.September kapituliert die französische Armee bei Sedan.

© Karl Schmidt

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