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Entdeckungen am Elbufer und in der Unterfischerei

Unterfischerei Coswig (Anhalt)
Unterfischerei Coswig (Anhalt)

 Die letzten Wanderungen des Jahres den benachbarten Städten und deren Umfeld zu widmen, ist im Flämingwanderverein bereits zur Tradition geworden. Im November 2004 galt die Aufmerksamkeit der 1187 erstmals als Burgward Cossewitz erwähnten Stadt an der Elbe-Coswig.

Wohltätige Fürstin

Die ersten Meter der Wandertour führten durch die Friederikenstraße, an deren schmalster Stelle sich einst ein Stadttor befand. Nach einem Brand im Jahre 1853 unter-stützte die Fürstenwitwe Friederike Auguste Sophie die Stadt finanziell beim Wiederaufbau. Aus Dankbarkeit für diese großartige Geste wurde später eine Straße nach ihr benannt.

Die Wanderer hielten vor dem Rat-haus auf dem Markt kurz inne und erfuhren, dass bei Bauarbeiten ein Eingangsportal der St. Nicolai Kirche entdeckt wurde, welches ursprünglich tiefer gelegen war. Dieses Portal soll in seiner ehemaligen Form neu gestaltet werden.

Inzwischen waren die 31 Flämingwanderfreunde in der Unterfischerei angekommen, deren Bewohner schon von jeher mit dem Hochwasser kämpfen mussten. Ein pfiffiger Hausbesitzer dieses Stadtteiles hatte deshalb schon in grauer Vorzeit eine Tür im oberen Teil des Hausgiebels vorgesehen, um im Ernstfall durch diese Öffnung den Wassermassen Richtung Oberfischerei entrinnen zu können.

Die Oberfischerei wird heute durch eine massive Stützmauer vor dem Hochwasser weitgehend geschützt. In den einst an dieser Stelle vorhandenen Nischen verkauften die Fischer ihren Fang. Auch im Stadtwappen befinden sich Hinweise auf den Fischhandel. Entlang des Wörpener Baches, den einst die Fischer als Wasserstraße direkt zur Elbe nutzten, gelangten die Wanderfreunde zur Kopfweidenallee und schauten zurück auf die Altstadt.

Bach wieder sichtbar

Die laufenden Sanierungsarbeiten lassen erahnen, dass sich dieser Altstadtbereich in einigen Jahren zum begehrten Fotomotiv entwickeln wird. Der Blick ist frei auf das einstige Klostergebäude am Propsteiberg, im Hintergrund grüßt der Turm der St. Nicolai Kirche mit dem Rathaus direkt in der Nachbarschaft. Im vorderen Bereich befindet sich eine Stützmauer nach mittelalterlicher Bauweise.

Der im 19. Jahrhundert an dieser Stelle durch ein Röhrensystem geleitete Wörpener Bach bekommt nach Einsturz des Gewölbes im Jahre 2002 wieder freien Lauf und zwei Brücken über dieses Gewässer sind bereits im Bau. Einem Wermutstropfen kann die Stadt aber auch hier nicht entkommen, denn das vom "„Burgenkönig" Hillebrandt 1999 erworbene Schloss steht leer und verfällt zusehends. Die Schreie der Schlossgeister nach Abhilfe verhallen im Wind. Vor vielen Jahren soll hier am Schloss ein Galgen gestanden haben.

Die Gruppe verließ den historischen Stadtteil und erreichte nach kurzer Entfernung die ehemaligen Lehmstiche. Auf Kipploren wurde der Lehm zu den einst sieben Ziegeleien transportiert. Heute nutzen Angler diese Restlöcher als will-kommenes Angelparadies. Leise, um die Fische nicht zu erschrecken, schlich der Trupp durch das Schilf. Auf dem Luchweg warfen die Wanderer einen Blick zurück und entdeckten in der Ferne die 1904 am jenseitigen Ufer von Wilhelm Böttcher erbaute Elbterrasse.  

Die in den dreißiger Jahren verfestigten bzw. neu angelegten Deiche und Wälle bieten noch heute Schutz vor dem Hochwasser. Von hier ist gut zu beobachten, wie sich die Elbe hufeisenförmig um die Stadt schlängelt. Das ehemalig Wielopp'sche Haus, das so genannte Luchhaus, trotzt allen Unbilde und behauptet seinen Platz inmitten der Wiesen.

Gefangene Korbflechter

Die Wanderer verließen den Luch in Richtung Flügelteiche, vorbei an der ältesten Siedlung der Stadt Coswig und vorbei an den Weidenkolonien, die 1933 neu angelegt wurden. Korbmacher nutzten die jährlich nachwachsenden Zweige als Rohstoff für ihre Produkte. Gefangene aus dem zum Gefängnis un gebauten Schloss haben die Weidenruten geerntet. Sie musste ihren Unterhalt mit Flechtarbeiten verdienen.

Aus einem neuen Blickwinkel ist auf dem Hochufer unterhalb der Herzklinik der Turm der Nicolaikirche zu entdecken. Die Route führte nun östlich am Friedhof vorbei. Am jüdischen Denkmal erinnerten sich die Wanderer noch eh mal an den Philosophen Herman Cohen, der für einige Zeit in Coswig lebte. Mit der Einkehr im Lokal Stadtgärten beendeten die Wanderer nach etwa acht Kilometer ihren Ausflug.

Artikel aus der MZ vom 13.11.2

© Rosemarie Kohl

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