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Zweifleck-seltene Libellenart- fliegt wieder an der Elbe

Zweifleck; Foto: www.berndtrockur.onlinehome.de
                          Der Zweifleck Epitheca bimaculata fliegt wieder an der Elbe. In Verbindung mit Libellenerfassung an Auenweihern bei Wörlitz und bei Brambach (Mittelelbe im Raum Dessau, ehem. Bezirk Halle, jetzt Sachsen-Anhalt) kam ich am 28./29. 05.2003 (optimales Libellenflugwetter) eher zufällig an die mir bis dahin unbekannte Kliekener Alte Elbe. Sie ist Teil des NSG Saarenbruch, unlängst im Rahmen des EU-Life-Projektes „Renaturierung an der Mittleren Elbe“ teilweise entschlammt worden und über Wanderwege (mit dem Naturpfad Kliekener Elbaue) an hinreichend vielen Stellen gut zugänglich. An den beiden Tagen waren die ausgedehnten Ufer Teichrosen-Beständen vor voll besonnten Uferbäumen vom Zweifleck, EpitheKliekener Aue; Foto: Stadt Coswigca bimaculata, lückenlos eingenommen. Die Männchen besetzen jeweils Uferabschnitte von 20-30 m mit dem charakteristischen ausdauernden Patrouillenflug etwa 1 m über den Teichrosen, meist 3-5 m vom Ufer entfernt bleibend. Sie setzen sich nie am Wasser, rüttelten nur selten, schossen oft pfeilförmig ~ 10 m weit voran, flogen dann wieder langsamer. Ein Flug weit über die offene Wasserfläche oder vor den Schilfufern war hier die Ausnahme. Heftig angegriffen wurden die Männchen der Kleinen Mosaikjungfer Brachytron pratense, die langsam nahe der Wasserlinie das Ufer weiträumig abflogen. Interaktionen gab es auch mit der zahlreich vertretenen Gemeinen Smaragdjungfer Cordulia aenea sowie mit dem oft noch nicht voll Ausgefärbten Grossen Blaupfeil Orthetrum cancellatum. Überlappung mit den nur spärlich vertretenen anderen Aeshniden (Grosse Königslibelle Anax imperator, Keilfleck-Mosaikjungfer Aeshna isoceles) waren kaum zu verzeichnen. Der habituell ähnliche Vierfleck, Libelula quadrimaculata war nur lokal an Riedufern ohne Kontakt zu Epitheca häufig, typisch flog er kleinräumig von Sitz-warten am Uferried aus. Epitheca bimaculata gehört zu den eurosibirischen Arten mit kontinentalem Kernareal. Diese Arten sind im atlantischen Nordwesten Deutschlands jederzeit deutlich rückläufig oder verschollen trotz der allgemeinen Erwärmung, die mediterrane Arten begünstigt; sie haben im Norddeutschen Tiefland ihren aktuellen Verbreitungsschwerpunkt im kontinentalen NO (Vorpommern, NO Brandenburg). So sind alle 8 Libellenarten, die in der Roten Liste für das Land Nordrhein Westfalen als ausgestorben oder verschollen (Kategorie 0) eingestuft worden sind (Epitheca eingeschlossen), diesen Verbreitungstyp zuzuordnen. Die Ursachen dafür sind noch nicht hinreichend geklärt. Es sind aber in jüngerer Zeit nicht nur die Sommer wärmer, sondern auch die Winter milder geworden. Im Münsterland kommt hinzu, das an Sonnentagen die Einstrahlung oft durch „Flieger-Zirri“ gedämpft und dass (am Nachmittag) des Sonnenschein oft durch „Kraftwerks-Kumuli“ unterbrochen wird. Darauf reagiert gerade Epitheca mit Einschränkung der Flugaktivität. Überdies gleichen diese „kontinentalen“ Arten atlantische Klima durch die engere Habitatwahl (Bereiche mit günstigem Mikroklima) aus, sie werden „regional Stenotop“. Dabei sind für diese Arten bestimmte Vegetationsstrukturen, die zugleich Schutzraum für die Libellenlarven und ihre Beute bieten, wesentlich (zu Epitheca). Diese Vegetationsstrukturen leiden aber vielfach unter den aktuellen zivilisatorischen Eingriffen in die Gewässer. Damit sind der Wandel von Klima und der der Gewässer-Strukturen miteinander verzahnt. Die Mittelelbe hat nun (im Harzschatten gelegen) ein relativ kontinentales Klima und vielfältig strukturierte, großflächige Auenbereiche. Damit sollte sie für kontinentale Arten günstiger sein als NW-Deutschland. Ein Beispiel dafür ist die Asiatische Keiljungfer, Gomphus flavipes, die nach der Wende geradezu zur Leitart für den Elbstrom (mit Buhnen) geworden ist. Die Mittelelbe wird zwar bei STERNBERG & BUCHWALD (2000) nicht als aktuelles Schwerpunktgebiet für Epitheca angeführt. Doch liegen frühere Funde von Imagines (Totfund im Schlosshof Foto:Prof. em. Dr. Eberhard G. Schmidt Wittenberg 07.06.1965, Fang am Elbdeich bei Coswig Juni 1965) und von Exuvien (4 Stück 13.05.1993 in der nahen Muldeaue) vor. Dabei grenzt Coswig unmittelbar an Klieken, so dass der damalige Fundort zum Gebiet der aktuellen Population gehören könnte. Epitheca wandert weit und ist in ihrem Grenzgebiet vielfach nur Vermehrungsgast, wird dort vor allem durch Larven / Exuvien nachgewiesen. Die hier beobachtete hohe dichte flugaktiver Imagines ist insgesamt für diese Art ungewöhnlich; Sie ist Indiz für ein stabiles, aber bislang übersehenes Vorkommen an der Kliekener Alten Elbe. Wahrscheinlich dürfte die Art an der Mittelelbe weiter verbreitet, vielleicht sogar als Leitart für bestimmte Auengewässer einzustufen sein. Von der Flugweise her ist Epitheca als Imago gut nur mit dem Fernglas nachzuweisen. Günstig ist der späte Vormittag bis Nachmittag an heißen, wolkenlosen Sonnentagen. Von dem habituell ähnlichen Vierfleck unterscheidet sie sich (bezogen auf fliegende Männchen per Sicht) nicht nur in der Flugweise der Männchen (siehe Fotos), sondern auch durch den längeren, schlankeren, an Segment 2 etwas blasig erweiterten, an Segment 3 etwas eingeschnürten Hinterleib. Die hellbraunen Seitenflecke an Segmenten 3-7 (8) sFoto: Prof. em. Dr. Eberhard G. Schmidtind auch an Segment 4/5 schwarz gefasst. Beim Vierfleck sind dagegen die Segmente 2-5 (ohne breite schwarze Rückenlinie wie bei Epitheca). Typisch für den Vierfleck sind gelbliche („Mond“ -) Flecke entlang der Seitenkante 4-8 (9). Sie grenzen bei den Segmenten 4/5 an das Braun, sind hier also nicht (wie an den hinteren Segmenten) schwarz gerahmt. Die für den Vierfleck spezifischen dunklen Flügelflecke am Nodus sind dagegen im Fluge schwer zu identifizieren, umgekehrt ist im Flugbild bei Epitheca die nur dumpf smaragdgrüne Augenfarbe oft nicht deutlich. Schwerpunkt der Flugzeit von Epitheca ist Mitte Mai bis Mitte Juni, die vom Vierfleck reicht bis in den Sommer. Bester Zeitpunkt für die Suche nach Epitheca liegt in den Sonnenschein-Perioden Mitte/Ende Mai.   Prof. em. Dr. Eberhard G. Schmidt Coesfelder Str. 230 D-48249 Dülmen / Westf.   Gesamter Artikel als pdf-Datei   PS. Einige Kollegen aus der Stadtverwaltung Coswig haben Herrn Prof. em. Dr.Schmidt bei seinen Beobachtungen in Klieken getroffen. Er hat uns ausführlich über seine Beobachtungen unterrichtet und nach fast einem Jahr die o.g. Abhandlung zugesendet. Wir bedanken uns recht herzlich.
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